Frauen gründen anders

Frauen gründen

In der Medizin sickert es nach Jahrzehnten der Gleichbehandlung mehr und mehr durch: Männer und Frauen haben – was Therapieformen oder Medikation betrifft – unterschiedliche Bedürfnisse. Dass sich auch die Bedürfnisse von Gründerinnen von denen männlicher Gründer unterscheiden, scheint dagegen nur schwer durch das allgemeine Dickicht zu dringen. Die Bundesweite Gründerinnenagentur BGA will das ändern und ruft deshalb besonders Gründerinnen dazu auf, sich an der diesjährigen Startup-Monitor Umfrage zu beteiligen. Den Link zur Umfrage findest Du am Ende des Beitrags. Klären wir vorab, wo die Unterschiede liegen.

Die gute Nachricht vorneweg: Obwohl Frauen in Deutschland seltener gründen, tun sie das nicht weniger erfolgreich. Im Gegenteil. Aus vielerlei Gründen, die wir uns im folgen Artikel anschauen werden, liegt die Erfolgsquote der Frauen sogar über der der Männer. So fand die  Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie  im Jahr 2018 heraus, dass Frauen aus jedem investierten Euro mehr als doppelt so viel herausholen. Zwar wachsen Frauengeführte Start-ups etwas langsamer, dafür sind sie beständiger, was unterm Strich die Renditen höher ausfallen lässt.

Frauen gründen problembewusst

Dass sich Gründerinnen häufiger an gesellschaftlichen Problemstellungen orientieren, mag daran liegen, dass sie mehr im Alltag verwurzelt sind und durch Kinderbetreuung, Haushalt, Elterngespräche etc. oft an alltägliche Probleme stoßen, die sie dann ändern wollen. So sind Firmen wie die Windelmanufaktur in Dresden oder Kuchentratsch entstanden. Vielleicht ist es aber auch so, dass Frauen beim Gründen grundsätzlich die Gesellschaft mehr im Fokus haben. Allerdings gibt es auch immer mehr Frauen, die Technologie- oder IT-Unternehmen gründen wollen und relativ schnell feststellen, dass sie anders behandelt werden, als ihre männliche Kollegen. Dafür gibt es allerdings überhaupt keinen Grund.

Langsames vs schnelles Wachstum

Wenn Frauen gründen, dann achten sie stärker auf die Profitabilität, statt auf ein kapitalintensives, schnelles Wachstum zu setzen. Sie haben weniger Eile, was ein Grund ist, dass ihre Unternehmen seltener in die Insolvenz rutschen. Auch deuten die Zahlen des Female Founder Reports 2021 (FFR) darauf hin, dass der volkswirtschaftliche Nutzen gründender Frauen höher als der ihrer männlichen Mitstreiter sein könnte. So schaffen Frauen branchenübergreifend mehr Arbeitsplätze als Männer mit vergleichbaren Start-ups – durchschnittlich 23 gegenüber 17. Auch gründen Frauen risikobewusster, wollen ihr Unternehmen eher in kleiner halten, um sich eine gewisse Flexibilität und/oder die Work-Life-Balance zu bewahren.

Frauen gründen eher pragmatisch

Rund zwei Drittel der Gründerinnen sind zwischen 35 und 54 Jahre alt, also im Schnitt älter als männliche Gründer, von denen 40 Prozent bereits im Alter von 35 Jahren in die Selbstständigkeit gegangen sind, dementsprechend in einer Phase gründen, in denen Familie und Kinder schon eine Rolle spielen oder die Familienplanung noch nicht begonnen hat. Frauen warten dagegen eher ab, bis die Kinder so selbstständig sind, dass mehr Zeit für die eigene Lebensplanung bleibt. Oder sie verbinden Familie und Selbstständigkeit, nutzen also die Flexibilität als bessere Alternative zu einem nine-to-five-job, als Weg aus der Arbeitssuche heraus oder als Wiedereinstieg nach einer längeren Familienpause.

Hürden für Gründerinnen

Die Hürden, vor denen selbstständige Frauen meist stehen, sind in erster Linie eine hohe Arbeitsbelastung, meist ein schwankendes Einkommen, steuerliche und juristische Formalitäten und die Skepsis, mit denen vor allem Banken ihnen begegnen. Da die Mehrzahl der Gründerinnen über ein geringes Eigenkapital verfügt, sind sie allerdings oft auf Kredite angewiesen. Auf diesen Bedarf haben Banken bisher nicht angemessen reagiert, was sicher der Grund dafür ist, dass Frauen seltener seltener Kreditanträge stellen und stattdessen lieber alternative Geldquellen wie Familie oder Freunde nutzen.

Bitte um Teilnahme an der Umfrage

Um das zu ändern und um ein Bild speziell auch über die Situation von Gründerinnen zu bekommen, ruft der Deutsche Startup Monitor DSM 2022 wieder zu einer Umfrage auf. Unter diesem Link kannst Du teilnehmen:

https://umfrage.deutscherstartupmonitor.de/index.php/269257?token=dsm017&newtest=Y&lang=de