Strategie klingt groß und erst einmal weit weg. Strategie mutet nach Arbeit und Anstrengung an, und kann – in der Komplexität seines Begriffes – auch einschüchtern. Insbesondere geht es häufig Menschen so, die zwar Unternehmer sind, doch keine Betriebswirte, denen der Begriff schon in der Universität eingeimpft worden ist.

Viele Unternehmenslenker kommen aus ganz anderen Tätigkeitsfeldern, wie zum Beispiel Architektur, Fotografie oder Landwirtschaft, sind von Haus aus Erfinder oder andere Querköpfe. Für sie sind Begriffe wie Strategie, Controlling oder Akquise durchaus mit ganz anderen Assoziationen besetzt – meist negativ.

Aus der Psychologie wissen wir, dass das menschliche Wesen, zu denen auch Unternehmenslenker gehören, sich ungern negativ besetzten Aktivitäten widmet. Und schon ist der Salat fertig. Pardon, soll heißen: da ham’ wir den Salat! Und trotzdem:

1.   Sinn und Zweck von Strategien

Unter Strategie werden in der Wirtschaft klassisch die (meist langfristig) geplanten Verhaltensweisen der Unternehmen zur Erreichung ihrer Ziele verstanden. Das Muster der Entscheidungen ist absichtsvoll auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet.

Sprich, was immer Sie in naher oder weiter Zukunft erreichen wollen, braucht ein absichtsvolles Handeln, welches auf Ihren Wunsch ausgerichtet ist. Die Strategie determiniert mit welchen Verhaltensweisen das Ziel erreicht werden soll – und da gibt es ja bekanntlich immer mehrere. Die Strategie kann z.B. eine Preis-, Qualitäts-, Service-, Vertriebsstrategie und einiges anderes sein.

2.   Vorteile

Eine klare, einheitliche, beständige und vor allem bewusste Ausrichtung bedeutet eine eindeutige Positionierung und damit einen klaren Wettbewerbsvorteil. Eine Verhaltensausrichtung aufzubauen, bedeutet auch, den Überblick bezüglich Trends, Marktgeschehen und Mitbewerber zu haben.

Nun haben die großen Unternehmen eigenes Personal, welches sich mit der Strategie und der Umsetzung im Unternehmen beschäftigt. Bei kleineren Unternehmungen, die vielleicht über einen Mitarbeiterstamm von 20 Personen verfügen, ist dem in der Regel nicht so. Zur Erinnerung: Ca. 90 Prozent der deutschen Unternehmen sind Microunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern (Quelle: Statistisches Bundesamt).

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Doch auch für Microunternehmen ist eine Strategie von großem Vorteil, so wenig wie möglich Streuverluste zu erzeugen. Gerade weil sie ständig unter den Ressourcen Zeit, Kapital, Personal leiden.

3.   Wie oft werden Strategien eingesetzt?

Nach Prof. Dr. Alexander Huber halten 90 Prozent der deutschen Manager eine Strategie für sinnvoll. Tatsächlich entwickelt haben nur die Hälfte der befragten Unternehmen eine Strategie und bei nur acht Prozent liegt eine eindeutige Strategie vor. Und es wird noch dramatischer, denn 60 Prozent verlassen den Pfad der Strategie, wenn Krisen auftauchen. (Quelle: Strategische Planung in deutschen Unternehmen, Prof. Dr. Huber). Hier sind ähnliche Fehlverschaltungen zu beobachten, wie beispielsweise im Marketing: Wenn der Umsatz fällt, werden in vielen Unternehmen reflexartig Marketingmaßnahmen gestrichen, so dass in der Regel dann eine negativ Spirale einsetzt.

4.   Wie werden Strategien eingeführt und wie bleibt man dran?

Eine Strategie für das eigene Unternehmen zu entwickeln ist zunächst einmal ein kreativer Prozess. Es gibt da keine Formel, die Sie anlegen können und dann kommt der passende Handlungskatalog heraus. Die Verhaltensstrategie wird am besten entlang des Leitbildes des Unternehmens aufgestellt und ist letztendlich durchtränkt von den Einfällen, Affinitäten, Wünschen und Zielen der Beteiligten.

Diese gilt es zur Vermeidung hoher Anfangskosten und Streuverluste – stringent zu verfolgt. Natürlich muss die Ausrichtung engmaschig angepasst werden, wenn sie keine oder wenig der gewünschten Effekte bringt. Die Strategie jedoch spontan und je nach Befinden der Unternehmenslenker zu ändern, dazu kann nicht geraten werden.

Gerade für Kleinunternehmen bildet der Erfolgskreislauf eine gute Basis.

Erfolgskreislauf

Am Beginn steht hier eine Situationsanalyse, die das Augenmerk auf die Schwachstellen im Unternehmen legt. Vergleichbar ist die Schwachstellenanalyse mit dem „wirksamen Mangel“ von David Allen oder mit der konzentrierten Engpassstrategie von Wolfgang Mewes. Im Grunde ist es die ständige Beseitigung des schwächsten Gliedes in der Kette.

Darauf folgt die Zieldefinition, also wo die Reise hingehen soll, dann die Vorgehensplanung, die Durchführung und die Nachkontrolle. Ziele sollten natürlich SMART gestaltet sein, also Situationsspezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und zeitlich Terminiert.

Damit die erarbeiteten Konzepte im Alltagsgeschäft nicht wieder verstauben, braucht es eine kontinuierliche und regelmäßige Überprüfung des Status quos. Diese Überprüfung sollte als fester Termin in Ihrem Kalender stehen.

Autor
Dipl. Betriebswirt Sven Dönni,
Businesscoach für strategische Positionierung, Unternehmensaufbau, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung