.andersberater beteiligt sich aktiv am gerade entstehenden, offenen Projekt „Balanced Environment“. Dem Managementmodell „Balanced Environment“ liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Situationen, Probleme und Herausforderungen in unterschiedlichen Rahmenbedingungen unterschiedlich behandelt werden müssen.

Balanced Environment gibt als Analysetool Auskunft über die Ausgewogenheit unterschiedlicher Managementkulturen aus Prozessoptimierung, strategischem Management und dem Management dynamischer Entwicklung. Es bietet in unterschiedlichen Räumen verschiedene Lösungsansätze. Indem es den Betrachter einer Herausforderung auf jeder Ebene eine andere Perspektive einnehmen lässt, erscheint das Problem jeweils in anderem Licht. Verschiedene Antworten werden sichtbar und können in der Praxis kombiniert werden.

Worum geht es konkret? Balanced Environment ordnet die Welt des Managements in vier Domänen, die unterschiedliche Situationen beschreiben und in denen wir mit verschiedenen Verhaltenssystemen agieren können:

  1. In einfachen Situationen arbeiten wir nach Rezept, die Schrittfolge lautet „Einordnen und Loslegen“, denn die Fragestellungen hier sind uns schon häufig begegnet. Fahrrad flicken? Selbst wer es zum ersten mal macht, findet im Netz für jeden Zweiradtyp die richtige Anleitung. Einen Apfelkuchen backen? Wer sich in seiner eigenen Küche auskennt (also stabile Rahmenbedingungen vorfindet) und die nötigen Ressourcen zur Verfügung hat, der kann nichts falsch machen.
    In Sozialunternehmen werden diese Prozessen nicht selten durch Prozessoptimierung geregelt, und im Prinzip ist der Gedanke dahinter derselbe wie beim Backen: hat sich eine Vorgehensweise einmal bewährt, wird sie dokumentiert und kann ab sofort bestens optimiert und nicht zuletzt kontrolliert werden.

 

  1. Auf komplizierte Situationen treffen wir ebenfalls in stabilen Rahmenbedingungen (unsere Küche, unser Unternehmen), aber das Problem ist eben komplizierter. Ist an meinem Fahrrad nicht nur der Schlauch platt, sondern die Lenkung verbogen, hilft mir der Experte. Der Fahrradmechaniker kann durch klassisches Management aus Analyse, Strategie und abschließender Kontrolle wahrscheinlich mein Problem lösen. Die Vorhersage von Zukunft, ein wesentliches Unterscheidungskriterium der vier Domänen, funktioniert hier ebenso, wie in einfachen Situationen – nur ist sie eben den jeweiligen Experten vorbehalten.

 

  1. In komplexen Situationen ist Zukunft nicht vorhersagbar, denn erstens sind die Fragestellungen vielschichtig und zweitens ändern sich Rahmenbedingungen so dynamisch wie ein Wasserstrudel. Entwickelt ein Sozialunternehmen beispielsweise ein neues Geschäftsfeld, hat es plötzlich viele Fragen zu beantworten. Finanzielle, organisatorische, juristische und persönliche Aspekte sind ineinander verwoben und die Beantwortung einer Frage beeinflusst alle anderen. Die Randbedingungen dieses Szenarios sind zudem dynamisch, Märkte werden durch technische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends beeinflusst und manchmal durcheinander gewirbelt. Rohstoffpreise, Moden und Innovationen kann niemand vorhersagen, für neue Geschäftsmodelle gibt es keine exakten Vorlagen oder Schablonen.

 

  1. Am Ende gibt es noch die Domäne, die allen Angst macht – mit der wir aber rechnen sollten: die chaotische Situation. Im Chaos ist Führungsstärke gefragt, denn wenn es brennt, sollte vor allem jemand da sein, der die Nerven behält. Im Chaos gilt es möglichst schnell die Situation in Ordnung zu bringen. Im Chaos beweisen sich aber nicht nur Führungspersönlichkeiten, hier zeigt sich auch, wer bereit und in der Lage ist, Kommandos zu folgen. Führungskultur entsteht und beweist sich im Chaos und manchmal werden hier sorgfältig entworfene Organigramme auf den Kopf gestellt.

 

Balanced Enviroment

Balanced Enviroment

 

Unternehmen können mit Hilfe dieses Frameworks ihre Balance aus notwendiger Stabilisierung und dynamischer Entwicklung ausloten und gegebenenfalls korrigieren. Ein Beispiel aus der Praxis: Der Geschäftsführer eines Berliner Unternehmens (250 Mitarbeiter, Betrieb von Kitas, Schulhorten und Jugendzentren) ist mit 20 Führungskräften auf Klausur, um das folgende Geschäftsjahr vorzubereiten. Er möchte gemeinsam mit Allen den Fokus auf mehr Entwicklungsarbeit richten, neue Produkte und Märkte schneller ins Auge fassen und bearbeiten. Die Bereichsleiter sind einverstanden, formulieren aber ebenso klar ihr eigenes Bedürfnis: Routinen und Stabilität herzustellen, die eine Entwicklung aus ihrer Sicht erst möglich machen. Aktuell gefährden hohe Krankenstände die tägliche Arbeit. Beide haben ihre Rolle im Framework gefunden. Aufgabe der Geschäftsführung ist es, an morgen zu denken und dem Unternehmen eine Zukunft zu denken und zu formen. Der Chef fokussiert sich also auf das komplexe Feld der Entwicklung. Die Bereichsleiter wiederum richten Ihr Augenmerk auf das Feld der Prozessoptimierung. Wo Routinen nicht funktionieren, fehlt auch die Energie für komplexe Entwicklungsarbeit.

 

Mit Balanced Environment können wir nicht nur unterschiedliche Situationen identifizieren, wir können Probleme sogar durch die Räume tragen: wie ein weißes Blatt Papier erscheint die Situation dann in jedem Raum in anderem Licht. Am Beispiel des hohen Krankenstandes in Schulen und Kitas, der Pläne und Visionen immer wieder über den Haufen wirft, bedeutet dies, dass jetzt ganz unterschiedliche Lösungsansätze sichtbar werden:

  • OPTIMIERUNG: Wir konzentrieren uns darauf, die Abläufe bei Personalausfall zu verbessern. Wer kann wann noch schneller einspringen, wo können Schüler mit vorbereiteten Ersatzaufgaben beschäftigt werden?
  • LÖSUNG: Wir analysieren gemeinsam mit Experten in Ruhe das Problem. Welche Ursachen hat der hohe Krankenstand? Wo lassen sich Lösungsansätze und Strategien finden?
  • ENTWICKLUNG: Möglicherweise ergeben sich vollkommen neue, revolutionäre Ansätze, um mit diesem Problem umzugehen? Gibt es irgendwo auf der Welt bereits Modelle, die wir noch nicht kennen? Studienreisen, Entwicklungszirkel, Expertenanhörungen aus fremden Branchen: die Möglichkeiten sind unendlich – wir müssen sie nur entdecken und ausprobieren.

 

Ein Großteil aller Prozesse eines etablierten, gesunden Unternehmens spielt sich in der Domäne der einfachen Situationen ab.

Der Großteil aller Prozesse eines Startups liegt in der Regel in komplexen Situationen. Etablierte Vorgänge belasten hier noch nicht die Kreativität und die Entwicklungsgeschwindigkeit. Die Herausforderung für junge Unternehmen liegt in der Startphase darin, Strukturen zu schaffen, die für Ruhe sorgen, nicht aber für Stillstand und Blockade.

Balanced Environment bietet eine klare Perspektive auf und für Sozialunternehmen. Organisationen, die ihr Personalmanagement, ihre Abläufe, Produktentwicklung und die Unternehmenskultur aus der Perspektive von Balanced Environment betrachten, verschaffen sich, ihren Mitarbeitern und Führungskräften Sicherheit und Orientierung auf dem Weg in die Zukunft.

.andersberater betrachtet Prozesse aus dieser Perspektive – und lädt dazu ein. Hinter dem Workshop „Selbstorganisation nach der “.andersBerater” Methode“  beispielsweise steckt die Grundidee, aus immer wieder auftauchenden, komplizierten Situationen zu lernen und in Abläufen zu regeln (nach der GTD Methode und anderen praktischen Werkzeugen des Zeitmanagements).

Das .andersberater Angebot „Werkzeuge der kreativen Strategieplanung“ wiederum lehrt, sich im dynamischen Raum der Entwicklung neuer Ideen und Geschäftsfelder sicher zu fühlen, obwohl wir nicht immer Kontrolle über diese Entwicklung haben.

Grundsätzliche Informationen, Workshops und Vorträge zur Perspektive Balanced Environment gibt es jederzeit bei .andersberater. Mehr Informationen über Balanced Environment“ als offenes Entwicklungsprojekt finden Sie bald auf im Netz (www.balanced-environment.org) sowie auf facebook (facebook.com/BalancedEnvironment) und Twitter (@C0create).